Schwester Kunigunde macht Haren (Ems) zum 40. frauenORT

Mit der Frauenpersönlichkeit Schwester Kunigunde vom Orden der göttlichen Vorsehung fand die Stadt Haren Mitte Mai 2019 als zweiter Ort im Emsland, nach Messingen, Aufnahme in die Initiative frauenORTE Niedersachsen. Damit ist erstmals eine katholische Ordensfrau in der landesweiten Initiative vertreten, mit der Stadt- und Regionalgeschichte aus dem Blickwinkel historischer Frauenpersönlichkeiten betrachtet werden soll.

An der Enthüllung der Gedenktafel am St. Elisabeth Kindergarten und beim anschließenden Festakt im Sitzungssaal des Rathauses nahmen viele Ehrengäste und Vertreter(innen) von Frauenverbänden und anderen Vereinen teil.  Bei der Eröffnung und Enthüllung der Gedenktafel begrüßte Pastor Günter Bültel die vielen Harener und die Ehrengäste. Die Leiterin vom Kindergarten berichtete über das damalige Wirken von Schwester Kunigunde im St. Elisabeth Kindergarten. Dann kam der große Augenblick von zwei Kindergartenkinder. Sie durften nämlich unter dem Beifall der Gäste das weiße Enthüllungstuch von der Gedenktafel ziehen und damit offiziell Haren zum Frauenort machen. Die Gedenktafel wurde an der Gebäudeaußenwand im Eingangsbereich neben der Engelschutzskulptur angebracht. Schwester Kunigunde hatte während des Zweiten Weltkrieges diese Schutzengelgruppe anfertigen lassen, die in einer Fensternische eingearbeitet wurde. Zum Schluß gab es große Begeisterung und viel Beifall für die Kinder, als sie das Lied „Starke Frauen“ vortrugen.

Im Anschluss lud die Gleichstellungsbeauftragte Annegret Schepers zu einem Spaziergang entlang der Wirkungsstätten von Schwester Kunigunde zum Rathaussaal ein. Dort begrüßte der Harener Bürgermeister die vielen Gäste und bedankte sich bei Annegret Schepers, die die Federführung zusammen mit der CDU-Frauenunion und dem Heimatverein über das Projekt inne hatte. Nach drei Jahren Energie und Kraft an Arbeit hatte der Arbeitskreis endlich im November 2018 die Zusage vom Landesfrauenrat Niedersachsen e.V. erhalten.

Es gab Grußworte vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung durch Frau Dr. Uta Maritta Biermann, vom Landesfrauenrat Niedersachsen e.V. durch die Vorsitzende Frau Marion Övermühle-Mühlbach und von der Generaloberin vom Orden der Göttlichen Vorsehung aus Münster.

Als Vertreter des Bischofs Franz-Josef Bode waren Generalvikar Theo Paul, Familienangehörige von Schwester Kunigunde aus Mesum, sowie eine Gruppe Schwestern von der Schwesterngemeinschaft der göttlichen Vorsehung aus Münster weitere Ehrengäste.

Eine umfangreiche Laudatio/Festvortrag über die Pionierinnen sozialer Arbeit von den Schwestern der göttlichen Vorsehung im Emsland mit der Biografie von Schwester Kunigunde gab die stellvertretende Leiterin der Arbeitsstelle für Katholizismus- und Widerstandsforschung der Universiät Vechta, Frau Dr. Maria Anna Zumholz in einem einstündigen Vortrag. Frau Dr. Zumholz hatte den Arbeitskreis bei den vielen Recherchen unterstützt.

Mit der Aufnahme in die Initiative wird das emanzipatorische Wirken Schwester Kunigundes (geb. Theresia Schepers, 1914-1999) gewürdigt, die sich u.a. für ein Leben in einer kirchlichen Kongregation entschied, um einer Berufstätigkeit als staatliche geprüfte Kindergärtnerin nachzugehen und später in der Entwicklungshilfe arbeiten zu können. Als Leiterin des St. Elisabeth Kinderhortes zeigte sie sich widerständig gegen Versuche der Nationalsozialisten, die Einrichtung zu schließen bzw. gleichzuschalten. Zeitlebens setzte sie sich ferner für eine Schul- und Berufsausbildung von Mädchen und Frauen ein und gründete zur Gleichstellung der Mädchen 1979 die erste Messdienerinnengruppe. Ihre große Stunde schlug am Weißen Sonntag 1945, dem 08. April. Die Bevölkerung Harens musste ihre Häuser verlassen, da ein Beschuss des Ortes durch die Siegermächte zu erwarten war. Doch Schwester Kunigunde blieb in Haren. Nachdem die Kuppel der Kirche schon einige Einschüsse aufwies, bestieg sie in Eigeninitiative den Turm der Pfarrkirche St. Martinus, hisste ein Bettlaken als weiße Fahne und trug so wesentlich dazu bei, dass Haren von den Siegermächten nicht weiter zerstört wurde. Das Bettlaken ist heute in einem Schaukasten im Rathaus Haren ausgestellt.

Es gab am Ende des Festaktes einen geselligen Ausklang im Foyer. Die Gäste konnten die extra kreiierte „Kunigundentorte“ verkosten.

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